Dienstag, 17. November 2009

Bericht vom Besuch im Rathaus

Im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses fand am gestrigen Dienstag die Feier zum 20-Jährigen Bestehen der "Freunde der Universität Augsburg", unter denen sich auch hochrangige Politiker befanden, statt. Die Besetzer des Hörsaals 1 der Universität Augsburg entschieden, durch eine basisdemokratische Entscheidung, einige Delegierte zu diesem Treffen zu schicken.
Die acht Gesandten bekamen dort angekommen durch die Unterstützung des Präsidenten der Universität, Professor Dr. Wilfried Bottke, drei Minuten Redezeit gewährt, die auch eingehalten wurden.
Die anwesenden ProfessorInnen sprachen sich - wenn zunächst auch verwundert - für das Anliegen der Studenten aus. Bei ihrer Rede machten die gesandten Studenten auf die Missstände an der Universität Augsburg und die Besetzung des Hörsaal 1 aufmerksam. Auch die bundes- und europaweiten Streiks zum Thema Bildung wurden den Anwesenden nähergebracht. Den Studierenden ging es hierbei nicht darum, eine Diskussion zu diesem Thema zu beginnen. Vielmehr wollten sie auf den Zustand unseres Bildungssystems aufmerksam machen und die "Freunde der Universität Augsburg" dazu einladen, am nächsten Tag (18.11.2009) an der Plenumssitzung um 18 Uhr teilzunehmen.
Unter lautem Applaus verließen die Delegierten der Studenten den Saal. Zwei der Gesandten beschlossen, bei den Feierlichkeiten anwesend zu bleiben, um gegebenenfalls Fragen der Anwesenden zu beantworten. Sie berichteten, dass in den, im Rahmen des Festaktes gehaltenen, Reden Bezug auf die Ansprache der Studenten genommen und Solidarität gezeigt worden war.
Bedenken wurden in anschließenden Einzelgesprächen jedoch im Bezug auf die Studierendenschaft geäußert. So wurde eine Spaltung befürchtet. Darum solle die Diskussion aus dem besetzten Hörsaal herausgetragen werden. Ohne einen breiten Konsens an der Uni ginge es nicht.

Pressemitteilung: Die Universität Augsburg ist besetzt!

500 Studenten protestieren für bessere Bildung - viele übernachten in der Uni
Augsburg. In der Universität Augsburg haben die Studenten das Ruder übernommen: Seit 13.45 Uhr ist der Hörsaal 1 (Audimax) besetzt. 500 Studenten fordern bessere Bildung in Bayern. Viele von ihnen (über 100) werden die Nacht mit Schlafsäcken in der Uni verbringen.
Viele Diskussionen der letzten Monate und leere Versprechungen wollen sich die Studenten nicht mehr gefallen lassen - sie wollen richtige Gespräche. Sie schließen sich damit einer beträchtlichen Anzahl von Hochschulen in ganz Europa an, die mit Besetzungen gegen die nicht mehr hinzunehmenden Studienbedingungen und das bestehende Bildungssystem demonstrieren.
Die Augsburger Studenten kämpfen nach wie vor für die öffentliche Finanzierung des Bildungssystems, vor allem die Abschaffung sämtlicher Bildungsgebühren, und den damit verbundenen freien Bildungszugang für alle Bevölkerungsschichten. "Der Grundgedanke der Protestaktion ist die Chancengleichheit, denn Bildung ist ein Menschenrecht und muss unabhängig von sozialer Herkunft zugänglich sein", so die Besetzer der Uni Augsburg.
Die genauen Forderungen werden derzeit in verschiedenen Arbeitsgruppen erarbeitet. Diskutiert werden vor allem die Transparenz bei der Gebührenverteilung der Studiengebühren, der Bologna-Prozess (Umstellung der Studiengänge auf Bachelor und Master), die Qualität der Lehre, das Schulsystem, Diskriminierung (Migranten), Alternativen zum Gebührenmodell und der Leistungsdruck, unter dem viele Studenten leiden.
In den nächsten Tagen werden die Besetzer über ihre Forderungen diskutieren und diese an die Öffentlichkeit tragen. Die Studenten in der Fuggerstadt bereiten sich auf eine längere Besetzung vor. Unbestätigten Angaben zufolge toleriert die Unileitung eine Besetzung bis Freitag. Über 100 Studenten werden die Nacht mit Schlafsäcken in der Uni verbringen.
Sechs Delegierte der streikende Studierenden trafen sich noch am Abend im Rathaus mit hochrangigen Politikern (u.a. OB Kurt Gribl) und Vertretern der Uni. Der Präsident der Universität Augsburg, Professor Dr. Wilfried Bottke, unterstützte die Forderungen der Studenten. Anwesende Professoren waren verwundert und begeistert, äußerten Unterstützung für die Studierenden.
Unter lautem Applaus aller Gäste verließen die Studenten das Rathaus mit dem Abkommen, in den nächsten Tagen zu Gesprächen mit den Politikern zusammen zu treffen.
Eifrig werden Plakate gemalt: „Bildung krepiert, weil Dummheit regiert“ ist das Motto, genauso wie „Lernfabriken abschalten“, „Studiengebühren: Neues Selektionsverfahren des 21. Jahrhunderts“ und „Master of Desaster“.
Zuvor fand am Dienstag eine vierstündige Demonstration mit über 1000 Teilnehmern in der Augsburger City statt, der sich auch Lehrer und Schüler anschlossen. Die meisten Schulen waren von innen versperrt worden, um Schüler an der Teilnahme zu hindern. Einige konnten sich dem Demonstrationszug jedoch anschließen. Sie kletterten aus den Fenstern im Erdgeschoss.
Morgen sollen auch Schüler in die Gespräche miteinbezogen werden: Neben den Studiengebühren soll es nämlich auch Diskussionen über das achtjährige Gymnasium geben. „Schüler, Lehrer und Eltern sind herzlich eingeladen, gerade am schulfreien Tag morgen, in die Uni zu kommen“, so die Besetzer.
Weitere Informationen werden in regelmäßigen Zeitabständen folgen. Am Mittwoch um 8 Uhr werden die Gespräche in einem Plenum fortgesetzt.

Wir sind im Fernsehen!

Bericht bei Augsburg.TV über unseren Protest

Demo-Rede von Matthias

Unser Kommilitone Matthias hat auf der Kundgebung vor der Demonstration eine Rede gehalten, die wir hier natürlich auch veröffentlichen wollen.

Fotos von Demo und Versammlung im Hörsaal

Bei der Demonstration in Augsburg heute waren viele viele Schülerinnen, Schüler und Studierende anwesend, die für bessere Bildung demonstrierten. Hier findet ihr die Fotos von der Demonstration.

Anschließend haben wir unseren Protest in den Hörsaal 1 der Universität verlagert, von wo wir noch nicht so bald vorhaben, wieder wegzugehen. Natürlich haben wir auch davon Fotos für euch.

Impulse aus anderen Städten

Unsere Kommilitonen aus Würzburg haben Forderungen an den Landtag Bayern verfasst, die wir hier wiederholen möchten.

Zur Homepage von Würzburg brennt

Stellungnahme der Fachschaft SoWiSo zu den Studienbedingungen an der Universität Augsburg

Liebe Studierende,

im Rahmen der Studierendenproteste und den Veränderungen, die insbesondere den Studiengang Sozialwissenschaften in diesem Wintersemester getroffen haben, erkennen wir, dass einige Brennpunkte der besonderen Berücksichtigung bedürfen, und setzen uns aktiv für die Lösung der damit verbundenen Probleme ein. Gerade im ersten Bachelorsemester wird der Studiengang auf Grund nicht ausreichender Kapazitäten im Bereich des Lehrpersonals und der Raumnot an der Uni Augsburg vor extreme Belastungen gestellt. Diese erschweren ein erfolgreiches Studieren, wenn sie es nicht gänzlich unmöglich machen.

Es liegt nahe hier von einer Katastrophe zu sprechen. Das wäre aber falsch! Es handelt sich in Gegensatz zu einer Katastrophe um ein Phänomen, dessen Eintreten und Auswirkungen absehbar waren.
Nicht nur unsere Studienanfänger werden von dieser Entwicklung beeinflusst, da die Zusage, das ursprüngliche Lehrangebot aufrecht zu erhalten, eben wegen oben genannter Gründe nicht immer eingehalten werden konnte. Hier sehen wir vornehmlich die administrativen Ebenen, nicht die Lehrstühle in der Pflicht.

Als Vertreter eines Studienganges in größter Notlage möchten wir uns in diesem Rahmen mit den für uns drängenden Fragen befassen. Wir sehen uns als Fachschaft unseres Studienganges als parteipolitisch neutrale Position in der hochschulpolitischen Landschaft an. Dennoch können unsere Positionen in diesem Fall nicht frei von politischen Aussagen bleiben. Unsere Forderungen sind so einfach, wie ihre Umsetzung unabdingbar ist:

  1. Verbesserung der Studienbedingungen in den Studiengängen (insbesondere den sozialwissenschaftlichen) im Bezug auf

    • mehr Lehrpersonalstellen an den Lehrstühlen,

    • Milderung der Raumnot an der Uni Augsburg,

    • kein Ausspielen von verschiedenen, insbesondere neuen und alten Studiengängen in obigen Punkten und

    • die strukturelle Verstetigung einer zentralen Koordinierungsstelle für den/die Studiengänge



  2. Mehr Transparenz bei der Verteilung der staatlichen Mittel an der Uni Augsburg.

  3. Autonomie der Hochschule darf nicht als Autonomie des Präsidenten verstanden werden. Die Uni-Leitung muss ihrer Uni (insbesondere deren Studentenschaft gegenüber) wieder Rechenschaft ablegen müssen.

  4. Eine Vergleichbarkeit der B.A.-Abschlüsse herzustellen, damit die Möglichkeit für einen Standortwechsel zwischen Universitäten im Inland wie im Ausland endlich gegeben ist.



Gerade der laufende Akkreditierungsprozess in vielen Studiengängen zeigt neben den Schwächen des unserer Meinung nach vorschnell umgesetzten Bologna-Prozesses auch die Notwendigkeit auf, dass auf Länder- und Bundesebene endlich paritätische Kommissionen (oder ähnliche Modi) eingerichtet werden. Diese Kommissionen sollen zum einen

  1. die Notwendigkeit der Studiengebühren in ihrem Ausmaß überprüfen

  2. die Einflussmöglichkeiten der Wirtschaft auf die direkten Studienbedingungen analysieren und bewerten und zum anderen

  3. die deutsche Umsetzung in den europäischen Kontext des Bologna-Prozesses einordnen sollen und

  4. möglichst die Einführung einer zentralen Akkreditierungsorganisation auf Bundesebene (unter staatlicher Kontrolle) vorantreiben mögen.



Es wird nach unserer Ansicht Zeit, dass die Politik und auch die administrativen Ebenen der Universität, ebenso deren Leitung, anerkennen, dass die Studierendenschaft über klare Ziele verfügt und diese auch formuliert. Wir fordern daher einen aktiven Dialog gerade der Regierungen der Länder und des Bundes mit der Studierendenschaft, der nicht auf eine Krisenreaktion begrenzt sein darf.
Wir als Studierende im Fach Sozialwissenschaften haben gute Erfahrungen im Dialog mit dem Mittelbau und den Lehrstühlen gemacht, jetzt wird es Zeit für die Politik als Entscheidungsträger an dem Diskurs teilzunehmen und sich mit allen Beteiligten über Ziele und Anforderungen an unser Bildungssystem ohne Vorbedingungen auseinanderzusetzen.



Florian Hofmann und Matthias Roche,

Fachschaft für Soziologie, Politikwissenschaften, und Sozialwissenschaften an der Universität Augsburg

Raumordnung

In der Plenumssitzung am 17.11.2009 um 18.00 Uhr hat sich die Versammlung der Besetzerschaft zur Einhaltung der folgenden Besetzungsordnung verpflichtet:

Besetzungsordnung


  1. Es herrscht Rauchverbot
  2. Kein Bier vor 4 (16.00 Uhr), sowie verantwortungsbewusster Umgang mit Alkohol
  3. Keine Randale, Brandstiftung, sowie sonstige mutwillige Zerstörung der Räumlichkeiten / des Inventars
  4. Der Raum wird saubergehalten, ebenso wird eine allabendliche Müllsammlung durchgeführt
  5. Sorgfältiger Umgang mit Räumlichkeiten, Inventar, Utensilien
  6. Keine Parteipolitik, keine parteipolitischen Symbole/Werbung im besetzten Raum
  7. Keine Werbung irgendeiner kommerziellen Art
  8. allgemeine Rücksichtnahme

Wir hoffen, damit den einen oder anderen beruhigen zu können.

Einschätzung zur rechtlichen Lage

Die AG Recht hat sich so seine Gedanken gemacht und vorgetragen. Wir wollen auch diese hier nicht vorenthalten:

Wir sind momentan rechtlich abgesichert, da wir uns auf unsere Versammlungsfreiheit berufen.


  • Hausfriedensbruch würden wir erst begehen (Hausrecht bei der Uni), sobald die Unileitung oder Vertreter sagt, dass wir raus müssen. Erst und nur dann ist auch eine polizeiliche Räumung möglich.
  • WICHTIG: Polizei nicht beleidigen! Passiv bleiben!
  • Keinerlei Sachbeschädigungen, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Körperverletzung, …
    Strafmaß ist bei der AG Recht zu erfragen.
  • Recht am eigenen Bild: AG Presse informieren!
  • keiner kann exmatrikuliert oder von Veranstaltungen ausgeschlossen werden
  • Im Notfall: Rote-Hilfe.de

Dies ist nur eine kurze unvollständige Zusammenfassung.

Weitere Tagesordnung für heute

Die Nacht ist noch lange, die Woche noch länger. Es gibt einiges zu tun:


  • Feedback aus den Seminaren

  • Feedback von der Hochschulleitung

  • Redebeiträge der Studierendenvertretungen

  • das weitere Abendprogramm festlegen

  • Berichterstattung der Rathausdelegation

  • Abstimmung über den Umgang mit den Wiwis (Freitag) und dem AStA, Recycling, etc

Zu diskutierende Punkte

Was wir diskutieren und besprechen wollen:

  • Fundamentalkritik gegen Studiengebühren (das ist bereits beschlossen!!!)

  • Bologna-Prozess (Umsetzung) – Modularisierung

  • Bachelor-Master-System

  • modularisiertes Lehramt diskutieren (Ansprechpartner!, Basisqualifikationen sollen angeboten werden)

  • Praktikum (fertig Studierte zu Beginn des Berufslebens “verheizt”)

  • Qualität der Lehre
  • Schulsystem (4-gliedrig)

  • Alternativen zum Gebührenmodell – Finanzierung?

  • Leistungsdruck (sämtl. Klausurergebnisse gehen in Endnote ein)

  • Diskriminierung (Migranten)

  • Kapitalismus (Zusammenhang im System)

  • Förderung von finanzschwachen SchülerInnen

  • Wie muss man Bildung verstehen / Was muss Bildung sein?

  • Konsensmöglichkeiten, Solidarisierungsanspruch


Wir sind uns einig, dass wir generell gegen Studiengebühren sind!

Termine

Unsere Terminübersicht für noch folgende Termine. Zwischen den Terminen arbeiten wir in Arbeitsgruppen.



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Pressemitteilung: Die Universität Augsburg ist besetzt

Die Universität Augsburg ist besetzt
500 Studenten protestieren für bessere Bildung

Augsburg. In der Universität Augsburg haben die Studenten das Ruder übernommen: Rund 500 Studenten haben heute um 13.45 Uhr den Hörsaal 1 (Audimax) besetzt. Sie fordern bessere Bildung in Bayern.

Zuvor fand eine vierstündige Demonstration mit über 1000 Teilnehmern in der Augsburger City statt, der sich auch Lehrer und Schüler anschlossen. Die meisten Schulen waren von innen versperrt worden, um Schüler an der Teilnahme zu hindern. Einige konnten sich dem Demonstrationszug jedoch anschließen. Sie kletterten aus den Fenstern im Erdgeschoss.

Im Moment bilden sich in der Universität verschiedene Arbeitsgruppen: In den Bereichen Inhalt, Presse, Gestaltung, Recht, oder Uni-Kontakt organisieren sich die Studenten. Die AG Versorgung ist gerade beim Einkaufen: Die Studenten in der Fuggerstadt bereiten sich auf eine längere Besetzung vor. Plakate werden gemalt: „Bildung krepiert, weil Dummheit regiert“ ist das Motto, genauso wie „Lernfabriken abschalten“, „Studiengebühren: Neues Selektionsverfahren des 21. Jahrhunderts“ und „Master of Disaster“.

Um 18 Uhr werden im Plenum die Inhalte und Forderungen besprochen. Themen sollen sein: Transparenz bei der Gebührenverteilung der Studiengebühren, der Bologna-Prozess (Umstellung der Studiengänge auf Bachelor und Master), die Qualität der Lehre, Alternativen zum Gebührenmodell, und der Leistungsdruck, unter dem viele Studenten leiden.

Morgen sollen auch Schüler in die Gespräche miteinbezogen werden: Neben den Studiengebühren soll es nämlich auch Diskussionen über das achtjährige Gymnasium geben. „Schüler, Lehrer und Eltern sind herzlich eingeladen, gerade am schulfreien Tag morgen, in die Uni zu kommen“, so die Besetzer.

Weitere Informationen werden in regelmäßigen Zeitabständen folgen.

Auf dem Laufenden bleiben

Um die Vernetzung beim Bildungsstreik ein wenig zu koordinieren, sammeln wir hier Profile bei sozialen Medien und so weiter:

Das ist bisher geschehen

Soziale Netzwerke



Vernetzung mit anderen Unis


Falls Ihr noch mehr habt, meldet euch doch einfach hier in den Kommentaren.

Augsburger Allgemeine

Die Augsburger Allgemeine berichtet über die Besetzung des Hörsaals

Bericht bei Indymedia

Indymedia berichtet über die Besetzung im Hörsaal I