Montag, 14. Dezember 2009

Zusammenfassung: Zweites Diskussionsforum Sozialwissenschaften - 14.12. 11:30

Einleitende Fragestellung an die DozentInnen: Wie sieht der Alltag eines/r DozentIn aus?

Die DozentInnen stellen den erhöhten bürokratischen Aufwand dar, den die modularisierten Studiengänge aber auch durch die große Zahl an Erstsemestern dar. Ein Vergleich zu den alten Studiengängen ist nur den wenigsten anwesenden DozentInnen möglich, diejenigen die bereits in den alten Studiengängen gelehrt haben kommen jedoch zu dem Ergebnis, dass auch die Größe der Seminare.

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Herr Bosancic macht sich nochmals stark für ein Sofortprogramm, dass durch Erhöhung der bestehenden Stellen und die Einführung einer Koordinationsstelle erheblich zur Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen beitragen würde. Die meisten DozentInnen sind ebenfalls der Meinung und würden entsprechende Forderungen der Studierenden unterstützen.

Herr Schultze verweißt in diesem Zusammenhang auch auf die ministeriell vorgegebene Regelgröße von 50 Studierenden pro Seminar, die nicht in das inhaltliche Konzept eines Studiums passe.

Von Frau Brake wird auf weitere Aspekte eingegangen, zum einen den Zwangsaufenthalt in Seminaren, die ein konstruktives Arbeiten zumindest erschwert haben. Auch die zwingende Notenvergabe habe das Lehr-/Studierendenverhältnis verändert. Die StudentInnen würden inhaltlicher Kritik jetzt nicht mehr so offen stehen.

Auch Hr. Grasnick und Hr. Roos stellen den Alltag der DozentInnen, den Hr. Grasnick teilweise durch unterschiedliche Ausrichtungen auf Forschung und Lehre nicht gegeben sieht, ähnlich dar und setzen sich für pragamatische Lösungen der Problematik des ersten Semesters ein.

Die Vertreter der Fachschaft sehen sich in ihrer Sichtweise bestätigt und beginnen damit das Plenum einzubeziehen und fragen nach konkreten Möglichkeiten für gemeinsame Massnahmen und den Möglichkeiten der einzelnen Gruppen Einfluss zu nehmen auf die Geschehnisse.

Herr Schultze formuliert die Möglichkeiten, die gerade durch die Studentenproteste und die damit erhöhte Aufmerksamkeit der (wissenschafts-)politischen Handlungsakteure sich derzeit erhöht hätten, folgendermassen:
  1. Es muss eine konkrete Forderung nach Entzerrung des Studiums erfolgen. Die Handlungsräume für selbstbestimmtes Arbeiten müssen wieder mehr ins Blickfeld der Studiengänge rücken.
  2. Zielsetzung sollte eine Flexibilisierung der Inhalte und nicht die viel geforderte Entschlackung, von der er persönlich nicht überzeugt sei, sein.
  3. Eine Verlängerung der Studiendauer sieht er als möglich an
Er gibt jedoch zu bedenken, dass die geforderten Veränderungen erst in den nächsten Generationen greifen würden, da in den aktuellen Studiengängen, gerade unter Berücksichtigung der Rechtslage kaum Änderungen möglich seien.

Auf die Nachfrage wie die Entzerrung zu verstehen sei, konkretisiert Herr Schultze dies weiter und macht klar, dass die Flexibilisierung der Inhalte, eigentlich Bestandteil des Reformprozesses gewesen sei, heute es jedoch gerade in der in Augsburg angelegten Studienordnung zu einer extremen Verschulung gekommen sei. Hier müsse der Ansatzpunkt mehr in Richtung eigener Schwerpunktsetzung und Studienorganisation gesetzt werden. Gerade von Seiten der DozentInnen sei die Verschulung ein sehr schlechter Ansatz gewesen.

Die Flexibilisierung setzt nach Meinung von Herrn Schultze jedoch voraus, dass auch die Studienzeiten verändert würden. Hier seien mehrere Modelle möglich, jedoch müsse zu bedenken sein, dass mit einer Veränderung der B.A. Zeiten auch das Master-Modell in die Diskussion einbezogen werden müsse. Hier seien viele Alternativen möglich. Zum einen die US-amerikanische Organisationsform, die unterschiedlich gewichtete Bachelor und Masterstudiengänge (auch in Promotionsprogrammen) vorsehe, zum anderen jedoch auch eine Anrechnungsmöglichkeit längerer B.A. Zeiten in Masterstudiengängen.
Nach Meinung, die von allen DozentInnen geteilt wurde, entziehe sich hier auch die Politik der Verantwortung wenn sie jetzt die Verlängerung, wie auf der KMK von letzter Woche, fordere, den Hochschulen aber keine konkreten Handlungsanweisungen an die Hand gebe, da auch die dreijährige Bachelorsystematik ja vor allem von Seiten des Ministeriums (auch unter Bezug auf die Masterprogramme) favoriert worden war.
Herr Bosancic weißt auch daraufhin, dass gerade bei einem Übergang in neue Systematiken endlich Koordinationsstellen geschaffen werden müssten. Da durch die neben- und ehrenamtliche Organisation der 1. Bachelorumstellung auch Fehler durch die beteiligten Stellen verursacht wurden.

Herr Schultze gibt abschließend zu seinem Programm noch zu bedenken, dass man die Wahlfreiheit nicht überreizen sollte. Herr Bosancic unterstützt ihn in der Bestrebung eine Art Grundlagenstudium in den ersten drei Semestern und dann einen Wahlbereich in den folgenden Semestern zu etablieren.

Auf Nachfragen aus dem Plenum in Bezug auf die Verlängerung der Studienzeiten, die in der Stellungnahme der Universitätsleitung, aber auch in der Sichtweise einiger StudentInnen zu einem Wettbewerbsnachteil führen würde, wenn sie einseitig durch die Augsburger Universität eingeführt würde entsteht eine kurze Diskussion zwischen Plenum und DozentInnen, in der folgende Thematiken mit einfließen:

Herr Schultze hält einen 4jährigen SoWi-Bachelor für notwendig, Fr. Walter unterstützt ihn dahingehend, dass sie feststellt, dass auch Personalchefs sich bewusst seien, dass innerhalb dieser Zeit eine andere Art von Inhaltsvermittlung und Schwerpunktsetzung möglich sei.

Frau Brake weißt darauf hin, dass der Arbeitsmarkt eine Konkurrenz der Abschlüsse zu Grunde legen würde, die längere Studiendauer sich jedoch nicht immer negativ auswirken würde.

Frau Brake und Herr Grasnick sind erstaunt darüber das ausserhalb der strukturellen Diskussion eine Infragestellung der inhaltlichen Ausrichtung des B.A. Sozialwissenschaften bisher noch kaum in die Diskussion eingeflossen sei. Frau Brake selbst macht dies an der ihrerseits gesehenen Methodenüberfrachtung fest und frägt nach weiteren inhaltlichen Problematiken die der B.A. mit sich gebracht habe.

Aus dem Plenum wird von Seiten des dritten Semesters die angedachte inhaltliche Stringenz bei den Themenmodulen angesprochen, die bisher (so Rückmeldung aus dem 5. Semester) leider nicht gegeben war und so die Wahlfreiheit der StudentInnen bereits wieder ins Leere laufe (auf Nachfrage durch Hr. Bosancic, was StudentInnen beabsichtigen mit dieser Forderung: Freiheit oder festgegebene Inhalte). Hr. Grasnick gibt an, dass hier daran gearbeitet werde und man sich wieder mehr an die übergreifenden Thematiken orientieren wolle.

Herr Bosancic gibt als Anregung noch mit, dass die Themenmodule so frei formuliert wurden um die Lehrenden dahingehend freizustellen auch eigene Forschungsfelder mit einzugeben und so die Lehre unabhängig zu halten.

Aus dem Plenum gibt es noch die Anregung gerade im Bereich der Klassiker und der Theoriengrundlage mehr Angebote zu machen, da die Behandlung in den ersten Semestern nur sehr oberflächlich erfolge und eine Vertiefung kaum möglich sei.
Eine weitere Anregung geht dahingehend, dass die Inhalte durch den Zeitmangel und Leistungsdruck zuwenig reflektiert würden und dadurch auch relativ wenig Rückmeldung erfolge. Man sei froh wenn man sich mit den gegebenen Themen auseinandersetzen könne und würde nicht auch noch über Erweiterungen oder andere Wege nachdenken.
Die DozentInnen geben den Studierenden zu verstehen, dass auch ihr Beitrag notwendig sei zum Gelingen des Ortes Universität und seiner strukturellen Neuorientierung. Sie appellieren sich aktiv einzubringen und kritisch zu reflektieren. Auch Studierende gestalten ihre Umgebung und müssten Forderungen an die Dozenten und Referenten stellen. Die DozentInnen alleine könnten Seminare nicht umgestalten, gibt Frau Walter als Beispiel an, wenn sie Diskussionen starteten aber sich keiner beteiligen wolle.

Es kommt zu einem Eingang auf die strukturellen Bedingungen in dem auch kurz auf die Akkreditierungsorganisationen und das Wissenschaftsministerium eingegangen wird und auf ihren Einfluss auf die Studiengänge. Hier wird kurz skizziert, dass gerade die Handlungsweise des Wissenschaftsministeriums die Hochschulen als autonome Einheiten über Zielvereinbarungen weiterhin zu binden, gleichzeitig aber die Verantwortung für die Akkreditierung und damit dem ständigen Wechsel der Prüfungsformen den Universitäten zuzuweisen.

Auf Nachfrage nach alternativen Prüfungsformen gibt Florian Hofmann eine kurze Übersicht über die in der letzten Orga-Boardsitzung angedachten Veränderungen. Es soll mehr Modulprüfungen und damit eine Entzerrung des Prüfungsberges geben. Die vorgesehenen Modulprüfungen sind gestaffelt nach Semestern momentan i n der Diskussion (1/2. Semester vornehmlich Klausuren, danach mehr Haus- und Seminararbeiten)

Aus dem Plenum wird die Frage nach der Zukunft des B.A. Sozialwissenschaften vor allem in Bezug auf die zu erwartenden Studierendenzahlen gestellt. Ist die Wiedereinführung eines NC angedacht? Sind alternative Zugangsbeschränkungen vorgesehen?

Herr Schultze weißt nochmals auf die Kapazitätsvorgaben hin (50 Leute im Seminar) und ist der Meinung, dass der Antrag auf erneute Einführung eines NC gestellt wurde.
Die vormalige FBR Jessica Detemple verteidigt das Vorgehen der studentischen VertreterInnen auf erneute Antragstellung eines NCs in dem sie auf die Verantwortung verweißt, die gerade die studentischen VertreterInnen hätten, auch zukünftigen Studierenden ein angemessenes Studium zu ermöglichen. Diese Entscheidung findet im Plenum nur wenig Zustimmung und es entsteht eine Diskussion um anderweitige Zulassungsbeschränkungen. Vielfach wird jedoch auch klar, dass diese mit einem erhöhten bürokratischen Aufwand für die DozentInnen verbunden wären, der dem Abbau der bürokratischen Entlastung entgegenwirken würde, der sowohl von Studierenden aber auch von Lehrenden gewünscht wird.

Herr Bosancic geht nochmals kurz auf die Studiengebührenverteilung ein und fordert für die III. Kohorte den massiven Einsatz von Geldern aus diesen Fonds. Hier sei zu bedenken, dass diese Generation massiv einzahle. Die Gegenseite vertreten durch J. Detemple, Herrn Schultze und Florian Hofmann macht deutlich, dass durch die Stellen aus Studiengebühren Begehrlichkeiten und Erwartungen geweckt würden. Ausserdem sind die Lehrstühle des B.A. Sozialwissenschaften schon jetzt mit massiv Stellen aus Studiengebühren ausgestattet, was jedoch vielfach nicht ausreichend bekannt sei und somit der jetzt schon durch die Studienbeiträge finanzierte Erhalt der Lehre nur bedingt nachvollziehbar.

Der nächste inhaltliche Punkt der aus dem Plenum in die Diskussion eingebracht wird, ist die Organisation der Kommunikationswissenschaften innerhalb des B.A. SoWi.
Hier wird darauf hingewiesen, dass die Wahlfachpunkte in der KW keinerlei Problematik darstellen. Die Fachthemenmodule werden auch in Zukunft durch Dozenten der PW und SOZ Lehrstühle gehalten werden.

Frau Brake greift die Abschlussworte von Matthias Roche auf, und wünscht sich eine aktive Mitbestimmung der Studierenden auch in den Seminaren. Dies wird von Seiten der DozentInnen unterstützt. Von Seiten des Plenums wird daraufhingewiesen, dass dies auch Arbeitsauftrag für die DozentInnen sei, dies auch in den Seminaren klar zu machen und gerade in den frühen Semestern dies auch einzufordern.

Die darauf noch aufflammende Diskussion über die Anwesenheitspflicht in Seminaren wird von einigen Studierenden und DozentInnen diskutiert. Man kommt jedoch zu dem einheitlichen Ergebnis, dass Anwesenheitspflichten zum einen kontraproduktiv sei, aber bereits zu Magisterzeiten die Beteiligung an den Seminaren nur in den Händen weniger lag. Hier ist ein generelles Umdenken notwendig.

Herr Schultze fordert gerade die Mutigen auf sich zu beteiligen und ihre KommilitonInnen mitzunehmen.

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hat der BEcker denn nichts zu sagen?

AG Presse hat gesagt…

Meinst du Herrn Professor Becker von der juristischen Fakultät? Der trat natürlich nicht beim Diskussionsforum Sozialwissenschaften auf sondern bei der anschließenden Podiumsdiskussion. Deren Mitschrift veröffentlichen wir in Kürze!

Anonym hat gesagt…

Also zusammenfassend würde ich sagen, die Probleme sind:

- Die Aufgeschlossenheit inhaltlicher Kritik in den Seminaren ist zurückgegangen (aus Angst vor dem Notendruck)
- Hohe Prüfungsdichte
- Workload bei DozentInnen und StudentInnen ist sehr hoch


Wir sollten fordern:

- Gruppen verkleinern! (max. 30 Leute pro Seminar)
- Bosancic'sches Sofortprogramm durchsetzen
- Mehr inhaltliche Freiheit
- Abschaffung der Anwesenheitspflicht
- Transparenz in der Notengebung
- Entzerrung des Studiums
- Freiräume zum selbst bestimmten Arbeiten
- (evtl.) Verlängerung des Bachelors
- Ermöglichung des Auslandstudiums

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