Samstag, 21. November 2009

Zusammenfassung des Vortrags von Professor Wirsching, 20.11. um 16:00 Uhr

1. Standortbestimmung (im europäischen Zusammenhang):

  • Schlagworte aus den 1960ern verändern die Gesellschaft; postindustrielle Gesellschaft als Wissensgesellschaft, in der wissensbasierte Innovationen im Zentrum stehen (nach Bell)

  • Anpassungsdruck entsteht, aber gewachsenes Sein durch bessere Bildung und Schulsysteme

  • dynamische Entstehung der globalen Wirtschaft übt Druck auf Arbeitsmarkt aus, was zu gesellschaftlicher Polarisierung und Ausschließung führt

  • als Lösung: Modernisierungsparadigma; OECD, UN, usw. knüpfen an Sprache der Wissensgesellschaft an: Wissensgesellschaft, Bildung und Flexibilität als Schlüsselwörter (Verweis auf Lissabon-Strategie)

  • Bildung für Erreichung der Ziele, als Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit Europas, „Investition in Menschen“, wirtschaftspolitisches Ziel: „gut ausgebildete, anpassungsfähige Arbeitskräfte, die mit Veränderungen umgehen können“ („Employability“; Anstreben des Lebenslangen Lernens, Flexibilität vermitteln!)

  • Etablierung eines transnationalen Diskurses, keine Umkehrung von Bologna möglich

  • Ideologische Züge; Wirtschaft versucht Menschen nach ihrem Bild zu schaffen

  • Ökonomisierung des Bildungssystems

2. Spezifität in Deutschland

  • Bildungsreformbürokratie, systematische Umsetzung des Modells mit konkreten Normen

  • autoritativer Prozess; demokratische Legitimation, aber keine demokratische Auseinandersetzung; Durchsetzung des Prozesses gegen expliziten Willen und Auffassung der Akteure

  • frühzeitige Warnung vor Verschulung, Überbelastung, Schub an Bürokratisierung, Qualitätsverlust und Verlust von Freiheit werden ignoriert; Form der kognitiven Realitätsverweigerung

Auswirkungen:

A) Ziel: Verkürzung des Studiums
ABER:
Studium verlängert sich! (nicht machbar in 6 Semestern, Verlust von 1 oder 2 Semestern beim Warten auf Masterplatz) ca. 14 Semester Durchschnittstudienzeit

B) Ziel: Europäische Kompatibilität
ABER: nicht einmal Wechsel innerhalb Bayerns problemlos machbar, da Systeme nicht kompatibel

C) Ziel: Qualität, Einsetzbarkeit
ABER:
doppelte Studentenzahl, weniger Dozenten; Unireform wurde verpasst; zudem Export hochqualifizierter WissenschaftlerInnen, Ansehen deutscher Bildungsabschlüsse nimmt ab

  • Nachricht Erhöhung des Bafög nächstes Jahr ist „Symbolpolitik“

  • Geld sollte nicht primärer Teil des Bildungsstreiks sein

  • Verlust an akademischer Freiheit, Zweckfreiheit der Jugend

  • Protest ist angesagt, muss aber an richtige Adresse gehen!

Das Plenum spricht Herrn Prof. Wirsching Lob für den guten Vortrag aus und macht den Vorschlag diesen vor größerem Plenum nochmals zu wiederholen (eventuell nächste Woche). Zudem stellt sich Prof. Wirsching Fragen und kritischen Äußerungen aus dem Plenum.

Der Vortrag und die anschließende Diskussion enden um 17:30 Uhr.

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