Montag, 23. November 2009

Zusammenfassung der Ringvorlesung von Prof. Dr. Christoph Weller

„Wo liegt der Konflikt? Oder: Über die Pflicht zum (zivilen) Ungehorsam gegen den Staat.“


13:00 Uhr am Montag den 23.11.2009 im besetzten Hörsaal der Universität Augsburg: Prof. Dr. Weller hat sich bereiterklärt, im Rahmen der „Ringvorlesung“ HS I eine Vorlesung mit anschließender Diskussion zu halten. Gemäß der zweigeteilten Überschrift hält auch der Dozent seine Vorlesung zweigeteilt. Zunächst setzt er sich mit dem Thema „Konflikt“ unter Berücksichtigung seines Metiers, der Friedens- und Konfliktforschung, auseinander. Dabei verweist Prof. Dr. Weller gleich zu Anfang auf die gesellschaftliche Notwendigkeit von Konflikten. Der Konflikt sei für den gesellschaftlichen Fortschritt essentiell wichtig. Ebenso sei es entscheidend darzustellen, dass die Friedens- und Konfliktforschung eine normative Prägung im Hinblick auf die zivile, sprich gewaltfreie, Konfliktlösung aufweist. Die Diskussion biete die Möglichkeit der Entschuldigung und relativ folgenlosen Bereinigung von Differenzen. Im Gegensatz dazu füge die Anwendung physischer Gewalt Verletzungen zu, deren Wiedergutmachung schwierig ist und die wiederum zur Grundlage künftiger Konflikte führen würden. Nach dieser grundsätzlichen Erörterung geht Prof. Dr. Weller dazu über unterschiedliche Konfliktgegenstände zu benennen. Erstens sei die Herrschaft anzuführen. Dabei handele es sich um den fundamentalsten Konflikt innerhalb einer Gesellschaft, der häufig in einer gewaltsamen Lösung münde. Darauf folge die Ursache Werte und Identitäten.
Hierbei stelle sich das Problem der Kompromissfindung zwischen den beiden Konfliktparteien, da Werte, also der gesellschaftliche Grundkonsens, schwer zu diskutieren seien. Der nächste Konfliktgrund sei Güterverteilung und Interessen. In diesem Falle sei die Kompromissfindung die Regel, unter der Vorraussetzung, dass eine tatsächliche Kommunikation unter den Konfliktpartnern stattfinde. Weiterhin seien Mittelkonflikte zu nennen, bei denen zwar eine Zieleinigkeit bestehe, der Weg, zur Erreichung dieses Ziels, jedoch im Zentrum des Konflikts stehe. Im Folgenden geht Prof. Dr. Weller auf die Identifikation des Bildungsstreiks, unter besonderer Berücksichtigung der Universität Augsburg, ein. Essentiell wichtig sei zunächst eine explizite Festlegung des Konfliktgegenstands. Aus dem ergebe sich die Möglichkeit der Kontrolle des Konflikts und seiner Bearbeitung. Die Frage die sich daraus an die Studenten ergebe, sei: „Sind wir Demonstranten oder Studenten?“ Daraus entstehe ein Identitätskonflikt. „Geht es uns um eine Nutzung der Ressourcen, um eine optimale Bildung zu erhalten?“ In diesem Fall wäre es ein Konflikt um die Güterverteilung. Oder aber: „Wir wollen eine optimale Ausbildung. Wie stellen wir das an?“ So wäre es ein Mittelkonflikt. Als nächstes müsse der Konfliktpartner explizit benannt werden. Dabei verweist Prof. Dr. Weller darauf, dass er bei einer Schnellrecherche kein Statement des Wissenschaftsministeriums zum Studentenstreik finden konnte. Daraus ergäbe sich die Frage, ob der Minister überhaupt wisse, dass er ein Konfliktpartner sei.
Im nächsten Sinnabschnitt geht es um die Konfliktbearbeitung innerhalb einer demokratischen, rechtsstaatlichen Gesellschaft, die aus historischen Erfahrungen Formen der friedlichen Konfliktlösung entwickelt hat. Hierbei sei klar herauszustellen, dass der Konflikt an sich durchaus zulässig sei.
Im Bezug auf den Streik hieße dies, dass die Studierenden das Problem bisher individuelle behandelt haben, über Austausch jedoch einen strukturellen Konflikt identifiziert hätten und sich nun Gedanken über die Bewältigung, im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel, machen müssten. Aufgrund der Tatsache, dass es sich um ein strukturelles Problem handle, sei auch die Gesellschaft gefordert nach einer Lösung zu suchen.
Abschließend verweist Prof. Dr. Weller auf das Buch „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“ von Henry David Thoreau. Dieser weigerte sich in einer Zeit, in der in den USA die Sklaverei noch legal war, an diesen Staat, der aus seiner Sicht Unrecht beging, Steuern zu entrichten. Nach seiner Inhaftierung wurde er jedoch von Freunden, durch Nachzahlung seiner Steuern, aufgehoben. Thoreau war jedoch nicht etwa erfreut darüber, denn seiner Meinung nach gingen seine Gedanken über die engen Mauern des Gefängnisses hinaus und veränderten das Bewusstsein seiner Gesellschaft.
„In ungerechten Verhältnissen ist der einzig angebrachte Platz für einen gerechten Menschen das Gefängnis.“

3 Kommentare:

Coco hat gesagt…

Spitzen Sache war das! War heute zum ersten mal da und muss sagen taugt. An alle die heute Übernahten--> Respekt! Und schlafts gut!

cony hat gesagt…

guter vortrag!

Anonym hat gesagt…

ist von bayreuth-brennt.de verlinkt...

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