Donnerstag, 19. November 2009

Pressemitteilung: Demo am Freitag

Uni-Hörsaal weiter besetzt
Studentenproteste: Am Freitag Demo in Augsburg

Die Universität Augsburg ist weiter besetzt: Hunderte von Studenten
protestieren seit Dienstag gegen Studiengebühren und die neuen
Bachelor-und Masterstudiengänge. Rund 70 haben auch die Nacht zum
Donnerstag wieder im größten Hörsaal der Uni verbracht.

Am Freitag wollen die Besetzer ihre Forderungen auf die Straße bringen:
Einige Schüler, die sich den Protesten der Studenten angeschlossen haben,
haben eine Bildungsdemonstration in der Augsburger Innenstadt
organisiert.

Sie wollen mit den Studenten das Vorgehen einiger Schulleitungen im Zuge
des Bildungsstreiks am vergangenen Dienstag anprangern. An diesem Tag
wurden Schulgebäude von innen verschlossen und Verweise angedroht, um
Schüler an der Teilnahme an der Protestkundgebung zu hindern. Einige
Schüler ließen sich dies nicht gefallen und kletterten aus den Fenstern,
um an der Demonstration teilzunehmen.

Bessere Lernbedingungen, kostenfreie Bildung und Verbesserungen der
Reformen des achtjährigen Gymnasiums und der Bachelor- und
Masterstudiengänge sollen zentrale Inhalte der Demonstration sein. Sie
beginnt am Freitag, 20. November, um 13 Uhr am Königsplatz. "Der Zeitpunkt
ist bewusst gewählt, um den Schulbetrieb nicht zu stören und um auch
Lehrern die Teilnahme zu ermöglichen", so die Organisatoren.

In der Universität harren die Besetzer weiter aus. Schlafsäcke liegen
überall, vor dem Hörsaal werden Essen und Getränke bereitgestellt.
"Inzwischen haben uns Bäckereien, Firmen und auch Privatpersonen
Sachspenden vorbei gebracht", freut sich Heike, die in Augsburg
Sozialwissenschaften studiert und zu den Studenten gehört, die im Hörsaal
ausharren. Die Solidarität unter den rund 500 Studenten ist groß. Am
Mittwochabend haben einige von ihnen auf mitgebrachten Kochplatten Chilli
con Carne gekocht, 60 Liter.

Und der Protest soll weitergehen: Über das Wochenende hinaus wollen die
Studenten im Hörsaal bleiben, als Protest "gegen Leistungsdruck". Am
Wochenende soll es kulturelle Veranstaltungen geben. "Auch einige Dozenten
solidarisieren sich mit uns und schicken ihre Studenten in den besetzten
Hörsaal", weiß Heike.

Grund für die Besetzung der Augsburger Universität ist die Unzufriedenheit
vieler mit den Studienbedingungen. Am wichtigsten ist den Studenten, dass
die Studiengebühren von 500 Euro pro Semester abgeschafft werden. "Der
Grundgedanke der Protestaktion ist die Chancengleichheit, denn Bildung ist
ein Menschenrecht und muss unabhängig von sozialer Herkunft zugänglich
sein", sagt Nico, der seit Dienstag in der Universität sitzt.

Kritik gibt es auch an den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen: Die
Studienzeit von sechs Semestern sei zu kurz, es fehle Personal und der
Leistungsdruck sei viel zu hoch. Am Donnerstagabend sollen einheitliche
Forderungen beschlossen werden, die dann der Uni-Leitung und der
bayerischen Staatsregierung vorgelegt werden.

"Die Kontakte zur Uni-Leitung sind gut", sagt Nico. Am Freitag soll es
weitere Gespräche geben. Ein Unisprecher bestätigte dies: Man hab "größtes
Verständnis" für die Proteste, hieß es. Eine Räumung des besetzten
Hörsaals sei nicht geplant, auch wenn sich die Streiks bis in die nächste
Woche ziehen sollten.

Positiv merkte der Sprecher an, dass sich die Besetzer sogar um
alternative Räume kümmern für die Vorlesungen, die normalerweise im
besetzten Hörsaal stattfinden.

Weitere Infos: http://uniaugsburgbrennt.blogspot.com

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