Dienstag, 17. November 2009

Stellungnahme der Fachschaft SoWiSo zu den Studienbedingungen an der Universität Augsburg

Liebe Studierende,

im Rahmen der Studierendenproteste und den Veränderungen, die insbesondere den Studiengang Sozialwissenschaften in diesem Wintersemester getroffen haben, erkennen wir, dass einige Brennpunkte der besonderen Berücksichtigung bedürfen, und setzen uns aktiv für die Lösung der damit verbundenen Probleme ein. Gerade im ersten Bachelorsemester wird der Studiengang auf Grund nicht ausreichender Kapazitäten im Bereich des Lehrpersonals und der Raumnot an der Uni Augsburg vor extreme Belastungen gestellt. Diese erschweren ein erfolgreiches Studieren, wenn sie es nicht gänzlich unmöglich machen.

Es liegt nahe hier von einer Katastrophe zu sprechen. Das wäre aber falsch! Es handelt sich in Gegensatz zu einer Katastrophe um ein Phänomen, dessen Eintreten und Auswirkungen absehbar waren.
Nicht nur unsere Studienanfänger werden von dieser Entwicklung beeinflusst, da die Zusage, das ursprüngliche Lehrangebot aufrecht zu erhalten, eben wegen oben genannter Gründe nicht immer eingehalten werden konnte. Hier sehen wir vornehmlich die administrativen Ebenen, nicht die Lehrstühle in der Pflicht.

Als Vertreter eines Studienganges in größter Notlage möchten wir uns in diesem Rahmen mit den für uns drängenden Fragen befassen. Wir sehen uns als Fachschaft unseres Studienganges als parteipolitisch neutrale Position in der hochschulpolitischen Landschaft an. Dennoch können unsere Positionen in diesem Fall nicht frei von politischen Aussagen bleiben. Unsere Forderungen sind so einfach, wie ihre Umsetzung unabdingbar ist:

  1. Verbesserung der Studienbedingungen in den Studiengängen (insbesondere den sozialwissenschaftlichen) im Bezug auf

    • mehr Lehrpersonalstellen an den Lehrstühlen,

    • Milderung der Raumnot an der Uni Augsburg,

    • kein Ausspielen von verschiedenen, insbesondere neuen und alten Studiengängen in obigen Punkten und

    • die strukturelle Verstetigung einer zentralen Koordinierungsstelle für den/die Studiengänge



  2. Mehr Transparenz bei der Verteilung der staatlichen Mittel an der Uni Augsburg.

  3. Autonomie der Hochschule darf nicht als Autonomie des Präsidenten verstanden werden. Die Uni-Leitung muss ihrer Uni (insbesondere deren Studentenschaft gegenüber) wieder Rechenschaft ablegen müssen.

  4. Eine Vergleichbarkeit der B.A.-Abschlüsse herzustellen, damit die Möglichkeit für einen Standortwechsel zwischen Universitäten im Inland wie im Ausland endlich gegeben ist.



Gerade der laufende Akkreditierungsprozess in vielen Studiengängen zeigt neben den Schwächen des unserer Meinung nach vorschnell umgesetzten Bologna-Prozesses auch die Notwendigkeit auf, dass auf Länder- und Bundesebene endlich paritätische Kommissionen (oder ähnliche Modi) eingerichtet werden. Diese Kommissionen sollen zum einen

  1. die Notwendigkeit der Studiengebühren in ihrem Ausmaß überprüfen

  2. die Einflussmöglichkeiten der Wirtschaft auf die direkten Studienbedingungen analysieren und bewerten und zum anderen

  3. die deutsche Umsetzung in den europäischen Kontext des Bologna-Prozesses einordnen sollen und

  4. möglichst die Einführung einer zentralen Akkreditierungsorganisation auf Bundesebene (unter staatlicher Kontrolle) vorantreiben mögen.



Es wird nach unserer Ansicht Zeit, dass die Politik und auch die administrativen Ebenen der Universität, ebenso deren Leitung, anerkennen, dass die Studierendenschaft über klare Ziele verfügt und diese auch formuliert. Wir fordern daher einen aktiven Dialog gerade der Regierungen der Länder und des Bundes mit der Studierendenschaft, der nicht auf eine Krisenreaktion begrenzt sein darf.
Wir als Studierende im Fach Sozialwissenschaften haben gute Erfahrungen im Dialog mit dem Mittelbau und den Lehrstühlen gemacht, jetzt wird es Zeit für die Politik als Entscheidungsträger an dem Diskurs teilzunehmen und sich mit allen Beteiligten über Ziele und Anforderungen an unser Bildungssystem ohne Vorbedingungen auseinanderzusetzen.



Florian Hofmann und Matthias Roche,

Fachschaft für Soziologie, Politikwissenschaften, und Sozialwissenschaften an der Universität Augsburg

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen