Freitag, 20. November 2009

Redebeiträge auf der Demonstration

Nach einer wirkungsvollen Demonstration durch das Herz von Augsburg können wir nun die eindrucksvollen Redebeiträge veröffentlichen. Herzlichen Dank an die AG Schule für die Bereitstellung der Reden.


Ich begrüße alle Bildungsstreikenden und die die sich unserer Sache solidarisch erklären!

Die Bildungsproteste gehen weiter! Und sie werden so schnell auch nicht enden! In diesem Punkt ist man sich nicht nur bundesweit einig. Wir stehen auch weiterhin für unser Recht auf freien, fächendeckenden und emanzipierten Bildungszugang ein!
 
Artikel 26 der "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte":

    (2) Die Ausbildung soll die volle Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit und die Stärkung der Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten zum Ziel haben.

Artikel 1 Bayerisches Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG)

    (4) Die Schülerinnen und Schüler sind im Geist der Demokratie, in der Liebe zur bayerischen Heimat und zum deutschen Volk und im Sinn der Völkerversöhnung zu erziehen.

Von diesen Rechten – und noch einigen mehr! – machten vergangenen Dienstag (17.November 2009) tausende von SchülerInnen und StudentInnen in ganz Deutschland Gebrauch und demonstrierten für ein besseres Bildungssystem. Allein in Augsburg beteiligten sich über 1000 junge Menschen an den bundesweiten Protesten. Doch von Werteerziehung und demokratischer Lehre innerhalb der Bildungseinrichtungen kann nicht die Rede sein! Im Vorfeld wurde den Schülern und Schülerinnen seitens der Rektorate mit Androhungen von Verweisen und anderen Sanktionen die Beteiligung an den Protesten streitig gemacht.

Aber: nicht mit uns! Wir halten dagegen! Wenn Verweise ausgegeben werden, ist der Schuldirektor verpflichtet, mit dem jeweils betroffenen Schüler ein Einzelgespräch zu führen. Im Maria Theresia Gymnasium hat dies im vergangenen Juni dazu geführt, dass der Direktor die Zeit nicht zur Verfügung hatte dies auch wirklich zu tun. Die Verteilung der Verweise wurde eingestellt und bereits ausgestellte wurden als aufgehoben erklärt. Schülerinnen und Schüler, nehmt weiterhin dieses Rechte in Anspruch!

Bei den Protesten wurden auch Schulgebäude abgesperrt, um den jungen Leuten somit ihr Recht auf Versammlungsfreiheit zu nehmen. In unseren Augen sollte kein Schulleiter das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit aufheben können, auch wenn er es noch so gerne möchte. Bewegende Bilder zeigten auch, wie Schüler und Schülerinnen im Erdgeschoss der Schulgebäude aus dem Fenster „flüchteten“ um an den Protesten teilzunehmen.  Wir bewundern euren Mut und eure Bereitschaft für unsere gemeinsame Sache zu kämpfen.

Wer auf der einen Seite von Erziehung im Geiste der Demokratie und Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit faselt und dann Schüler und Schülerinnen in den Schulgebäuden einsperrt, sodass eine Teilnahme an einer rechtlich legitimierten Demonstration nicht möglich ist, der darf in Zukunft auch nicht mehr für voll genommen werden!

Kann denn hier wirklich noch von Demokratie und Recht auf Selbstbestimmung die Rede sein? Ist unser Grundgesetz im Laufe der Jahre wirklich zu einem solchen Witz geworden?
Was wollen sie uns als nächstes nehmen? Das Recht auf freie Meinungsäußerung? Können wir diese Vorgehensweise als Bürgerinnen und Bürger dieses Staates tollerieren?

Wir sprechen hier ein klares NEIN aus!

RESOLUTION DER KOMMUNARDEN
In Erwägung unsrer Schwäche machtet
Ihr Gesetze, die uns knechten soll'n.
Die Gesetze seien künftig nicht beachtet
In Erwägung, daß wir nicht mehr Knecht sein woll'n.

In Erwägung, daß sie uns dann eben
Mit Verweisen und Sanktionen drohn
Haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben
Mehr zu fürchten als Repression.

In Erwägung, daß wir wissenshungrig bleiben
Wenn wir dulden, was ihr uns bestehlt
Wollen wir mal feststelln, daß nur das umverteilen
Uns von guter Bilung trennen, die uns fehlt.

In Erwägung, daß sie uns dann eben
Mit Verweisen und Sanktionen drohn
Haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben
Mehr zu fürchten als Repression.

In Erwägung, daß da keine Sääle stehen
und ihr uns ohne Bleibe laßt
Haben wir beschlossen, jetzt dort einzuziehen
Weil uns diese Bildung nicht mehr paßt.

In Erwägung, daß sie uns dann eben
Mit Verweisen und Sanktionen drohn
Haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben
Mehr zu fürchten als Repression.

In Erwägung es gibt zu viele Millionen
Während es uns an Geldern fehlt
Haben wir beschlossen, sie uns jetzt zu holen
In Erwägung, das es dann mit der Bildung aufwärts geht.
 
In Erwägung, daß sie uns dann eben
Mit Verweisen und Sanktionen drohn
Haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben
Mehr zu fürchten als Repression.

In Erwägung, daß wir der Regierung
Was sie immer auch verspricht, nicht traun
Haben wir beschlossen, unter eigner Führung
Uns nunmehr ein gutes Leben aufzubaun.


In Erwägung: ihr hört auf Kanonen -
Andre Sprache könnt ihr nicht verstehn -
Müssen wir dann eben, ja, das wird sich lohnen
Die Kanonen auf euch drehn!
Diese Kanonen, sind euer Verstand, euer kritisches Denken, eure Bildung!
Keine Waffe dieser Welt, war je schärfer und präziser als der Verstand der Jugend!


Lasst uns also gemeinsam dieses Instrument nutzen! Unser Widerstand wird nicht im Keim ersticken! Lasst uns unsere Proteste ausweiten! Wir haben eine Welt zu gewinnen!



Liebe SchülerInnen und Schüler,
Liebe StudentInnen und Studenten,
Liebe LehrerInnen und Lehrer,
Liebe Anwesende,

Wir haben bereits vom Vorredner erfahren, weswegen wir uns heute hier versammelt haben: es geht heute darum, Kritik am Verhalten des Kultusministeriums zu üben, die am letzten Dienstag die Rechte der Schüler enorm angegriffen und verletzt haben. Wir Studenten erklären uns solidarisch mit den betroffenen Schülerinnen und Schülern, die am Dienstag gehindert wurden, ihren Protest auf die Straße zu tragen. Wir als AK Schule der besetzten Universität Augsburg ächten dieses Vorgehen und fordern die Verantwortlichen auf, das politische Engagement der Schüler nicht zu bestrafen.

Wir fordern die Möglichkeit auf ein selbstbestimmtes Leben und Lernen ohne starren Zeitrahmen, Leistungsdruck und Konkurrenzdruck. Wir wollen größere Freiheiten in der Fächerwahl und eine größere Ausrichtung des Schulbetriebs auf das Studium.

Wir verlangen freien Bildungszugang und die Abschaffung von allen Bildungsgebühren wie Studien-, Ausbildungs- und Kitagebühren. Es kann nicht sein, dass Bildung im gegenwärtigen Rahmen vom Geldbeutel der Eltern abhängt.

Wir fordern die Demokratisierung aller Bildungseinrichtungen und die Stärkung der Mit- und Selbstverwaltung der Schüler und Studenten. Wir wollen Einsicht haben, in was Schulen und Universitäten Geld investieren.

Wir wollen, dass sich die Politik stärker an den Schülern und Studenten ausrichtet und nicht an den Interessen der Wirtschaft. Das gesamte Bildungssystem muss stärker vom Staat gefördert werden, ohne dass die Wirtschaft Einfluss auf Lehrinhalte und Studienstrukturen nimmt.

Wir müssen die Politiker stärker in die Pflicht nehmen, es muss einfach mehr Geld in die Bildungseinrichtungen fließen, um für mehr Räume und Personal zu sorgen, damit wir Schüler und Studenten anständig lernen können. Beim aktuellen Stand der Dinge ist angemessenes Lernen nicht möglich. Sowohl in den Schulen, als auch an den Unis sind die Räume oftmals hoffnungslos überfüllt.

Daher fordern wir: mehr Geld ins Bildungssystem!

Zuletzt fordern wir eine endgültige Abschaffung der Ökonomisierung, die Abschaffung des Wirtschaftsdenkens, denn dadurch wird der Konkurrenzdruck nur gestärkt.
Wir wollen eine Änderung des achtjährigen Gymnasiums, damit das Gymnasium seinem Bildungsbegriff endlich wieder gerecht wird.
Wir Studenten sind jedoch letztendlich auf euch Schüler angewiesen. Der Protest findet momentan nur im besetzten Hörsaal an der Uni statt, wir müssen unseren Protest aber noch ausweiten und verstärken, damit wir den Politikern klarmachen, dass eine breite Masse von Schülern und Studenten tiefgreifende Reformen wollen. Somit können nur Schüler und Studenten gemeinsam etwas bewegen und deswegen sind wir heute zusammen auf die Straße gegangen, um unseren Protest lautstark zu artikulieren!

Gegen überfüllte Unis und Schulen!
Für bessere Lernbedingungen!


Liebe DemonsrationsteilnehmerInnen und Demonstrationsteilnehmer

Es ist unglaublich, wie viele Menschen sich heute hier eingefunden haben und dass sich SchülerInnen wie auch Studenten, Lehrer und Sympathisanten gemeinsam für eine Alternative zum gegenwärtigen Bildungssystem einsetzen. Dies hier ist ganz bewusst keine Schülerdemo und auch keine Studentendemo, wir sind hier vielmehr auf einer Bildungsdemo und verzichten ganz bewusst auf eine Trennung der Missstände.

Denn die Probleme an den Schulen lassen sich nicht von denen an der Universität trennen, sie sind nicht nur ähnlich oder gleich, sondern ein- und dasselbe Problem. Ursprung dieser Probleme ist ein fehlerhafter Bildungsbegriff, der Bildung als reine Ware, als Teil des Produktionsprozesses sieht und sie somit ins Gegenteil verkehrt. Der Wert und Sinn von Bildung darf nicht ökonomisch betrachtet werden, sondern muss sich aus ihr selbst ergeben; ist doch, wie schon von Kant ausgeführt, die Schaffung eines selbstbestimmten und frei denkenden Menschen nicht nur oberstes sondern einziges Ziel der Bildung.

So wird das Schulsystem wohl kaum aufgrund der Persönlichkeitsentwicklung aufgegliedert, was deutliche Unterschiede in der Qualität der erhaltenen Bildung beziehungsweise Ausbildung bedeutet. Es ist letztlich die wirtschaftliche Nachfrage nach verschiedenen Arbeitsklassen, die diese Selektion benötigt und fördert.

Die Universität wiederum hat spätestens mit der Einführung von Bachelor und Master, dem so genannten Bolognaprozess, der ganz offen mit einem höheren Praxisbezug, also einer größeren Wirtschaftstauglichkeit, beworben wurde, gezeigt, wie sehr sich Bildung und Produktionsverhältnisse widersprechen. Auch dürfte damit klargestellt worden sein, was umfassende Bildung wert ist. verglichen mit einer schnellen Ausbildung, denn die Reform bedeutet auch eine radikale Verkürzung des Studiums, womit letztlich der jeweilige Mensch schneller seine Bildung beendet hat und dem Arbeitsmarkt als Arbeitskraft sowie Lohndrückende Reservekraft zur Verfügung steht.

Genauso ist es auch mit dem G8, welches die Schulzeit um ein Jahr verkürzt - was eindeutig weniger der Bildung als dem schneller verfügbaren Humankapital zuzuschreiben ist. Insgesamt verkürzt sich die Zeit der Ausbildung durch beide Reformen zusammen um mindestens zwei, eher sogar drei und nicht selten noch mehr Jahre. Das achtjährige Gymnasium war eine schlechte Idee, die faszinierender Weise noch schlechter umgesetzt wurde, genauso wie die Umstellung auf den Bachelor. Warum eine solche Eile bei einem solch einschneidenden Prozess an den Tag gelegt wurde, ist unklar, und spätestens wenn G8 und G9 zusammenfallen und der Doppeljahrgang auf die Universität trifft, wird sich das wahre Ausmaß der Fehlplanung zeigen.

Auch der hohe Leistungs- und Konkurrenzdruck, der schon von der Grundschule an aufgebaut und konstant gehalten wird, bis hin zum Master, da deutlich zuwenig Masterstudienplätze existieren. verglichen mit den Bachelorsstudierenden, ist Teil der anzuprangernden Entfernung vom freien Bildungsbegriff. Durch das andauernde aufteilen in Erfolg und Misserfolg, sowie dann Gewinner und Versager, wird eine unsolidarische Mentalität erzeugt, die letztlich auch wiederum im wirtschaftlichen Kontext ihren Sinn erhält, schließt doch diese Mentalität sowohl gewerkschaftlichen Zusammenschluss aus, als auch eine Wettbewerbsmentalität ein, die menschenunwürdig aber hochproduktiv ist. Und dass ein unnatürlich radikal ausgeprägtes Konkurrenzdenken und eine dauerhaft eingehämmerte Versagensangst kaum Teil einer positiven Charakterbildung sind, ist unschwer zu erklären.

Das Bildung im aktuellen System letztlich zwar im eigentlichen Sinn umsonst ist, und im wirtschaftlichen Sinne teuer ist, ist nicht nur Ironie, sondern ein weiterer Beweis für  Bildung als Ware, die sich kaufen lässt.
Während dies an der Universität  mit den Studiengebühren keiner weiteren Ausführung bedarf, ist der Schulabschluss, auf den letztlich die Bildung des aktuellen Systems ausgerichtet ist, zwar nicht direkt aber doch indirekt wirtschaftlich einzuordnen. Zum einen kann sich einfach nicht jede Familie Nachhilfe leisten, welche für den Abschluss entscheidend sein kann, zum anderen ist gerade eine finanziell schwache Familie eher daran interessiert, dass die Kinder möglichst früh selbst Geld verdienen, also einen verkürzten Abschluss anstreben.

Auch wenn Kants Verständnis wohl in den derzeit herrschenden Zuständen ein Traum bleiben mag, ist die Bildung reduziert auf ein Produktionsmittel Albtraum und Realität zugleich.

Aber abgesehen von der Beweiskraft der Bildungskosten sind diese auch für sich Problem genug. Weil die Kosten letztlich pure Auslese sind, nach dem finanziellen Status der Eltern, und der Schulabschluss letztlich entscheidend das Gehalt prägt, wird ein auf Geburtenrecht basierende Klassensystem gebildet, das sich durch Erbe und besseren Abschluss auch dauerhaft fortsetzt. So sind laut Veröffentlichung des OECD, der weltweiten Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die Chancen eines Arbeiterkindes in Deutschland nur halb so groß zu studieren wie die eines Akademikerkindes. Im Vergleich zu allen anderen europäischen Ländern, von denen Irland mit einer nahezu 1:1 Chance hervorsticht, ist das erbärmlich für das deutsche System. Und das liegt sicher nicht daran, dass Arbeiterkinder dümmer sind.
Freie Bildung für alle muss die Devise sein, denn Alternativen sind selten. Die eine ist Benachteiligung aufgrund der Geburt, was Artikel 3, Absatz 3 des Grundgesetzes widerspricht und daher undemokratisch ist. Und "Reiche Eltern für alle" ist zwar eine gute Idee, aber nur als Spruch und nicht als Lösung.

Und weder Studenten noch Schüler sind allein in der Lage die Bildung alleine zu befreien, so dass aus der Forderung nach freier Bildung automatisch folgt, dass an Stelle der Schülerstreiks und anstelle der Studentenstreiks ein großer, gemeinsamer Bildungsstreik stattfinden muss.

Doch abgesehen davon, dass diese Auslese einer Demokratie unwürdig ist, stellt sich auch die Frage nach dem Sinn der Auslese. In vielen Ländern wird gar nicht selektiert, nirgendwo so früh. In Deutschland werden 10 Jahre alte Schüler schon nach der 4. Klasse zu Versagern abgestempelt, und nichts anderes bedeutet mittlerweile leider der Status des Haupt- oder Förderschülers. Das viergliedrige Schulsystem hat versagt, eindeutig, und bedarf einer radikalen Reform.
Denn mit 10 Jahren Bildung und Ausbildung zuzuteilen ist an sich pervers, bedenkt man dass diese Zuteilung auch noch unfair und verzerrt ist, muss man sich endgültig fragen, wieso eine solche Mehrheit an diesem System festhält.

Ein weiterer Effekt, der damit schon in viel zu frühen Jahren einhergeht ist der Leistungs- und Konkurrenzdruck, der sich letztlich bis zum Studienabschluss hinzieht. Zehnjährige sollen 22 Proben schreiben, und das unter dem Druck des nahenden Übertritts. An weiterführenden Schulen droht nicht nur die Wiederholung des Jahres, sondern der Schulverweis und, wenn der Abschluss naht, sind sich alle bewusst, dass der Notenschnitt über Arbeitslosigkeit oder Studienplatz entscheidet. Vor dem Master wird die Konkurrenz auf die Spitze getrieben, wenn nicht einmal die Hälfte derjenigen, die den Bachelor erreichen, auch einen Masterstudienplatz finden.

Und das schlimme ist, dass wir zwar nach Artikel 1 des bayrischen Gesetzes über Erziehungs- und Unterrichtswesen „im Geiste der Demokratie erzogen werden sollen“, aber die „demokratischen Mittel“, die gewährt werden bei weitem nicht ausreichen auch nur kleine Änderungen zu erreichen. Sowohl die Studentenvertretungen als auch die Schülervertretungen sind letztlich geduldetes Instrument zum vorspielen von Demokratie. Letztlich ist aber der reale Einfluss von Schülern und Studenten sehr überschaubar, ist sie doch mehr der eigenen Machtlosigkeit als den Gesetzen zu verdanken. Daraus resultieren „verbotene“ Protestpraktiken, und ein Streik ist traurigerweise verboten. Und dass demokratische Mitbestimmung nicht erwünscht ist, wurde schon eingehend in der Eröffnungsrede thematisiert.

Unabhängig davon, dass jeder nur raten kann, wohin der Bildungsetat verschwindet, ist das System überfüllt und marode. Schulen fallen täglich ein Stück mehr auseinander, Schultoiletten als Sanitäre Anlagen zu bezeichnen wäre vollkommen lächerlich, und Klassenzimmer wie auch Hörsääle sind so überfüllt, dass nicht nur der Lärmpegel steigt, sondern auch die Unterrichtsbedingungen sinken. Und daran ist der Bildungsetat schuld, der lächerlich gering ist.
Sicherlich mag jetzt auf die Studiengebühren verwiesen werden, aber Bildung ist, wie erwähnt, keine Ware, und nach Art. 5 GG auch Aufgabe Deutschlandes, also explizit nicht finanzielle Verantwortung der Studierenden - und dass Deutschland verschuldet ist, mag zwar bedingt gelten, aber der prozentuale Anteil der Bildung im Bundeshaushalt ist in Deutschland deutlich geringer als in den anderen europäischen Ländern.

Probleme gibt es viele, und natürlich schaut man eher auf die eigenen Probleme, aber sind es allesamt entweder dieselben oder stehen in direkten Zusammenhang zueinander, und deswegen dürfen die jeweiligen Probleme nicht speziell betrachtet werden, sondern müssen dringend in einen Kontext gerückt werden. Dieser Kontext ist das gesamte System.
Und genauso wie uns die Probleme gemeinsam sind, ist auch die Lösung eine gemeinsame.
Deutschland spart ein, auf Kosten der Bildung, doch ist die Bildung die Zukunft, von uns allen.
Und um unsere Zukunft müssen wir kämpfen.

Liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Lehrer, Eltern und sonstige Sympathisanten dieser Demonstration.

Der Protest, der sich in diesem Augenblick auf Augsburgs Straßen abspielt, findet zur selben Zeit in massiver Form auch in der Universität Augsburg statt. Seit letztem Dienstag ist der größte Hörsaal der Uni in Hand der Studentinnen und Studenten! Seit letztem Dienstag wird darin von über 500 Studierenden über das Bildungssystem debattiert. Sie sprechen dabei dieselben Punkte an, wegen denen wir Schüler heute auf der Straße stehen.

Der Protest an der Uni ist ungemein wichtig, um unser gemeinsames Anliegen auf ein besseres Bildungssystem zu artikulieren. Die Besetzung wird von einem riesigen Presseaufgebot begleitet. Zeitungen, Radio und Fernsehen berichten ununterbrochen über das Ereignis. Die Titelseite der Augsburger Allgemeinen war und ist voll von den Protesten, in regionalen und überregionalen Radiosendungen wird die Besetzung thematisiert und es gibt sogar schon zahlreiche Fernsehbeiträge, in denen der besetzte Hörsaal gezeigt wird. Diese Berichterstattung ist absolut hilfreich und notwendig, um unseren Forderungen Gehör zu verschaffen!

Die Besetzung ist bei weitem nicht auf Augsburg beschränkt. Deutschlandweit, europaweit, ja sogar weltweit schließen sich Studentinnen und Studenten zusammen und bringen die Hörsäle ihrer Unis unter ihre Kontrolle. In Bayern sind die Universitäten in München, Würzburg, Bamberg, Regensburg und weiteren Städten besetzt. In ganz Deutschland sind es z.B. Städte wie Köln, Mainz, Stuttgart, Hamburg, Erfurt, Düsseldorf, Dresden und Berlin. Auf der ganzen Welt gibt es Besetzungen in Bern, Wien, Belgrad, London, Rom , Santa Cruz, Zürich und vielen weiteren Städten und Ländern. Weltweit haben sich somit 53 Universitäten dem Protest angeschlossen!

In die Uni Augsburg kann und soll jeder kommen, der bei dem Protest mitwirken will. Es gibt sogar schon eine eigene Arbeitsgruppe von Schülern, die auch diese Demonstration hier organisiert haben. Ihr seht also, dass sich ein aktives mitwirken lohnt!

Darum unterstützt das Engagement der Studentinnen und Studenten in Augsburg! Kommt im Anschluss an diese Demo mit an die Uni Augsburg und schaut euch den Protest aus nächster Nähe an. Zeigt, dass wir gemeinsam gegen die Bildungsmisere unsere Stimme erheben! Reiht euch ein in den weltweiten Protest, in dem Schülerinnen und Schüler, Studentinnen und Studenten zusammen ihre Rechte auf ein freies, gerechtes Bildungssystem einfordern!

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen