Mittwoch, 18. November 2009

Pressemitteilung von Augsburger Schülern

Die AG-Schüler hat auf der Plenumssitzung nicht nur beeindruckend viel Engagement bewiesen sondern auch eine Pressemitteilung verabschiedet:

Augsburg. Seit Dienstag ist der Hörsaal 1 der Universität Augsburg fest in Hand von 500 Protestierenden. Auch nach dem ersten Tag der Besetzung finden sich unter den GegnerInnen des derzeitigen Bildungssystems auch weiterhin eine Anzahl von SchülerInnen, die ihren eigenen Arbeitskreis gebildet haben.

In den Plenarsitzungen, die zwar größtenteils von StudentInnen getragen werden, kommen dennoch die Anliegen der Schülerschaft zur Sprache. Die anwesenden SchülerInnen, die bereits im gestrigen Bildungsstreik die Missstände des deutschen Bildungssystems kritisierten, haben sich in eine Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, um nun ihre Forderungen zu konkretisieren und ihr weiteres Vorgehen zu koordinieren.

Die aktiven SchülerInnen sehen die Unibesetzung in einem größeren Kontext, der auch ihre Bildungsanliegen berührt. Die von den Studierenden kritisierte Entwicklung im Universitätsbetrieb zeichne sich schon im Schulalltag ab und ist allgegenwärtig. Durch die Ökonomisierung des Bildungsbetriebs sind die SchülerInnen aller Schultypen einem fortschreitendem Konkurrenzkampf ausgesetzt und werden auf pures Funktionieren getrimmt.
Damit entfernt sich die Bildung von Bildung als Selbstzweck hin zur Einordnung in den Produktionsprozess. Aufgrund dieses Zusammenhangs gehört der Schülerprotest in den Hörsaal und umgekehrt.

Es wird erhofft, dass dieser notwendige Protest nicht in dem Maß mit Repressalien überzogen wird, wie sie im Vorfeld zum gestrigen Bildungsstreik angekündigt worden sind. So wurden SchülerInnen in ihren Bildungseinrichtungen eingesperrt, um ihre Mitwirkung am Protest zu verhindern und Schulverweise im hohen Maße angekündigt. Der AK Schule in der Universität Augsburg ächtet dieses Vorgehen und fordert die Verantwortlichen auf, das politische Engagement der Schüler nicht zu bestrafen.

Der Arbeitskreis fordert deshalb die Möglichkeit auf ein selbstbestimmtes Lernen und Leben statt starrem Zeitrahmen, Leistungs- und Konkurrenzdruck. Darunter fallen z.B. mehr Freiheiten in der Fächerwahl und eine größere Ausrichtung des Schulbetriebs auf das Studium.

Des Weiteren wird ein freier Bildungszugang und die Abschaffung von sämtlichen Bildungsgebühren wie Studien-, Ausbildungs- und Kitagebühren verlangt. Es kann nicht sein, dass Bildung in dem gegenwärtigen Rahmen vom Elternhaus abhängt.

Eine Demokratisierung und Stärkung der Mit- und Selbstverwaltung in allen Bildungseinrichtungen (wie z.B. die Transparenz der Geldausgaben in den Schulen) wird verlangt.

Auch eine höhere öffentliche Finanzierung des Bildungssystems ohne Einflussnahme der Wirtschaft u.a. auf Lehrinhalte, Studienstrukturen und Stellenvergabe muss Ziel der Politik sein. Sie hat deutlich mehr Raum und Personal zu stellen.

In letzter Konsequenz wird die endgültige Abschaffung der Ökonomisierung und dem damit einhergehenden Konkurrenzdenken und Konkurrenzdrucks gefordert. So wäre eine deutliche Veränderung des achtjährigen Gymnasiums, die dem Bildungsbegriff gerecht wird, unumgänglich.

Der AK Schule ist letztlich auf die SchülerInnen angewiesen, die aufgerufen sind, sich am Bildungsprotest, der momentan primär an den besetzten Universitäten stattfindet, aber sich auch auf die Schulen bezieht, zu beteiligen.

Im Zuge drohender Repressionsmaßnahmen und abhängig vom weiteren Verlauf der Besetzungen wird über weitere Aktionen nachgedacht.

Nachfragen und Informationen sind entweder auf der Website der Unibesetzung http://uniaugsburgbrennt.blogspot.com/ oder unter folgender E-Mail Adresse schuelerplenum@gmx.de zu erhalten, auch Anregungen sind erwünscht.

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