Freitag, 20. November 2009

Pressemitteilung vom 20.11 um 9:00 Uhr

Uni-Hörsaal weiter besetzt – viele übernachten
Bildungsproteste in Augsburg weiten sich aus: Heute Demonstration in der Innenstadt


Die Universität Augsburg bleibt auch weiterhin besetzt: Hunderte von Studenten protestieren seit Dienstag gegen Studiengebühren und die Umstellung auf Bachelor-und Masterstudiengänge. Über 100 Studenten haben auch die Nacht zum Freitag wieder im größten Hörsaal der Uni verbracht. Heute wollen die Besetzer ihre Forderungen auf die Straße bringen: Ab 13 Uhr findet in der Augsburger Innenstadt eine gemeinsame Bildungsdemonstration von Schülern und Studenten statt.

Vor allem das Vorgehen einiger Schulleitungen im Zuge des Bildungsstreiks am vergangenen Dienstag soll dabei angeprangert werden. An diesem Tag wurden Schulgebäude von innen verschlossen und Verweise angedroht, um Schüler an der Teilnahme an der Protestkundgebung zu hindern. Einige Schüler ließen sich nicht einschüchtern und kletterten aus den Fenstern, um an der Demonstration teilzunehmen.

Bessere Lernbedingungen, kostenfreie Bildung und Verbesserungen der Reformen des achtjährigen Gymnasiums und der Bachelor- und Masterstudiengänge sollen zentrale Inhalte der rund zweistündigen Demonstration sein. Sie beginnt am Freitag, 20. November, um 13 Uhr am Königsplatz. "Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt, um den Schulbetrieb nicht zu stören und um auch Lehrern die Teilnahme zu ermöglichen", so die Organisatoren.

In der Universität harren die Besetzer weiter aus. Schlafsäcke liegen überall, vor dem Hörsaal werden Essen und Getränke bereitgestellt. "Inzwischen haben uns Bäckereien, Firmen und auch Privatpersonen Sachspenden vorbei gebracht", freut sich Heike, die in Augsburg Sozialwissenschaften studiert und zu den Studenten gehört, die im Hörsaal ausharren. Die Solidarität unter den rund 700 Studenten ist groß.

Am Mittwochabend haben einige von ihnen auf mitgebrachten Kochplatten Chilli con Carne gekocht, 60 Liter. Am Donnerstagabend spielten die drei Augsburger Bands „dub à la pub“, „King the Fu“ und „Misuk“ im besetzten Hörsaal, um sich solidarisch mit den Besetzern zu zeigen. Weitere Bands werden in den kommenden Tagen spielen. Auch die Studenten der Hochschule Augsburg haben ein Zeichen gesetzt: Auf ihrem Campus haben sie mit Holzkreuzen einen „Bildungsfriedhof“ errichtet.

Und der Protest soll weitergehen: Über das Wochenende hinaus wollen die Studenten rund um die Uhr im Hörsaal bleiben, als Protest "gegen Leistungsdruck". "Auch einige Dozenten solidarisieren sich mit uns und schicken ihre Studenten in den besetzten Hörsaal", weiß Heike. Manche Dozenten halten Vorträge im besetzten Saal, andere schicken ihre Studenten zu den Protesten. Inzwischen besteht zwischen den Augsburger Studenten und Besetzern aus 20 weiteren Universitäten ein reger Austausch – per Internet sind sie verbunden.

Grund für die Besetzung der Augsburger Universität ist die Unzufriedenheit vieler mit den Studienbedingungen. Am wichtigsten ist den Studenten, dass die Studiengebühren von 500 Euro pro Semester abgeschafft werden. "Der Grundgedanke der Protestaktion ist die Chancengleichheit, denn Bildung ist ein Menschenrecht und muss unabhängig von sozialer Herkunft zugänglich sein", sagt Nico, der seit Dienstag in der Universität sitzt.

Kritik gibt es auch an der Umstellung auf die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge: Die Studienzeit von sechs Semestern sei zu kurz, es fehle Personal und der Leistungsdruck sei viel zu hoch. Am Freitag sollen einheitliche Forderungen beschlossen werden, die dann der Uni-Leitung und der bayerischen Staatsregierung vorgelegt werden.

"Die Kontakte zur Uni-Leitung sind gut", sagt Nico. Am Freitag soll es weitere Gespräche geben. Ein Unisprecher bestätigte dies: Man hat "größtes Verständnis" für die Proteste, hieß es. Eine Räumung des besetzten Hörsaals sei nicht geplant, auch wenn sich die Streiks bis in die nächste Woche ziehen sollten.

Positiv merkte der Sprecher an, dass sich die Besetzer sogar um alternative Räume für die Vorlesungen kümmern, die normalerweise im besetzten Hörsaal stattfinden.

Die Solidarität der Öffentlichkeit ist groß: Viele positive Rückmeldungen haben die Studenten bereits bekommen – von Parteien, Privatleuten und auch Gastronomen. Brauereien, Pizzerien, ein Kulturzentrum, Bäckereien und viele andere mehr bringen Essen und Getränke für die Besetzer in den Hörsaal.

Die Studenten bitten um Spenden (Essen, Getränke): uniaugsburgbrennt@googlemail.com, 01577-5759948


Live-Informationen aus dem besetzten Hörsaal und von der Demonstration gibt es unter
http://twitter.com/uniAUXbrennt

KONTAKT: uniaugsburgbrennt@googlemail.com, 01577-5759948
SONSTIGE INFOS: http://uniaugsburgbrennt.blogspot.com/

Bilder gibt es auf Anfrage!

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