Donnerstag, 19. November 2009

Gedanken zum Bologna-Prozess

Uns ist sehr wichtig, unser Anliegen menschlich greifbar zu machen und das Verständnis für alle zu ermöglichen. Wir veröffentlichen hier einen Einblick in die persönlichen Erfahrungen einer Kommilitonin mit dem Bologna-Prozess und den damit verbundenen Anforderungen.

Gerade jetzt ist ein guter Zeitpunkt mal loszuwerden, was uns alle hier bedrückt, vor allem im modularisierten Lehramtsstudium.
Ich studiere Lehramt Grundschule im 3. Semester.
Der Druck des Modularisierten Studiums ist sehr hoch, da die Anzahl der Leistungsnachweise von Semester zu Semester steigt, anstatt sich langsam auf ein Limit einzupendeln, das bewältigt werden kann ohne am Ende eines Semester kurz vor dem Burnout zu stehen. ( nur mal als Hochrechnung: 1LP entspricht 30 Arbeitsstunden, laut "Modulhandbuch" und "neuer LPO" soll man ca. 30 LP in seinem Stundenplan unterbringen - und nebenzu muss man noch arbeiten gehen um mit Studiengebühren und/oder Büchern, Exkursionen, Essen, etc über die Runden zu kommen... und leben will man ja auch noch!)
Es sind zu Ende des Semesters sehr viele Klausuren, im Schnitt zwischen mind. 6 und bis zu 11 - und alle benoteten zählen bereist zum Staatsexamen! Besser fände ich eine sog. "Eingewöhnungsphase": in den ersten beiden Semestern geht es in den Klausuren nur ums bestehen, ab dem 3. Semester zählen die Noten dann zum Staatsexamen - dann hat man als Student die Chance, sich in Ruhe an das System zu gewöhnen und kann ein Gefühl für den richtigen Lernrhythmus entwickeln.

Um uns Lehramtstudenten besser auszubilden ist es überflüssig einen sehr strengen Plan vorzugeben, der den Studenten durch die vielen Leistungsnachweise fast erdrückt. Die vielen Leistungsnachweise führen zum "Bulimie-lernen" und meiner Meinung nach nicht zu besser ausgebildeten Fachkräften.
Man hat keine Zeit eine Veranstaltung aus Interesse zu besuchen oder sich selbst in den gewählten Fächerkombinationen Schwerpunkte zu setzen.

Ich finde es aber lobenswert, dass durch diesen Studiengang die Gewichtung des Staatsexamens verringert worden ist und wir auch weniger Staatsexamensprüfungen haben, als die Studenten der alten LPO.
Alles in allem ein noch sehr unausgereiftes System - vor allem aber muss an den Lehrstühlen intensiv an einer Verbesserung der Stofffülle und der Wichtigkeit einzelner Module gearbeitet werden.
Ich bin auch gerne bereit meine Vorstellungen zu konkretisieren, aber ich will die Leselust hier nicht überstrapazieren ;)

Es wäre schön ein Feedback zu erhalten bzw. zumindest einen Anstoß in die richtige Richtung gegeben zu haben ... leitet das doch bitte an die entsprechenden Stellen weiter!

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Sarah

1 Kommentare:

Julia hat gesagt…

Ich stimme Sarah bis auf die Eingewöhnungsphase zu.
Ich finde eine Eingewöhnungsphase nicht unbedingt notwendig. Wichtiger finde ich, dass die Notenbildung in den einzelnen Modulen gerechter ist und man besser auf die benoteten Klausuren vorbeireitet wird bzw. man genügend Zeit bekommt, um sich intensiv mit dem Stoff auseinander setzen zu können.
Der Erwartungshorizont der Lehrstühle in den einzelnen Klausuren sollte deutlicher herausgestellt werden, dass wir auch wissen, welche Bereiche relevant sind.

Die Stofffülle ist ein großes Problem! Die Modulprüfungen sind keine Erleichterung, sondern erhöhen den Druck nur. Die Note zählt und der Stoff ist oft zu umfangreich um sich so vorzubereiten, dass die Chance auf eine gute Note besteht.

Es ist an der Zeit, dass sich etwas ändert!

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