Dienstag, 17. November 2009

Pressemitteilung: Die Universität Augsburg ist besetzt!

500 Studenten protestieren für bessere Bildung - viele übernachten in der Uni
Augsburg. In der Universität Augsburg haben die Studenten das Ruder übernommen: Seit 13.45 Uhr ist der Hörsaal 1 (Audimax) besetzt. 500 Studenten fordern bessere Bildung in Bayern. Viele von ihnen (über 100) werden die Nacht mit Schlafsäcken in der Uni verbringen.
Viele Diskussionen der letzten Monate und leere Versprechungen wollen sich die Studenten nicht mehr gefallen lassen - sie wollen richtige Gespräche. Sie schließen sich damit einer beträchtlichen Anzahl von Hochschulen in ganz Europa an, die mit Besetzungen gegen die nicht mehr hinzunehmenden Studienbedingungen und das bestehende Bildungssystem demonstrieren.
Die Augsburger Studenten kämpfen nach wie vor für die öffentliche Finanzierung des Bildungssystems, vor allem die Abschaffung sämtlicher Bildungsgebühren, und den damit verbundenen freien Bildungszugang für alle Bevölkerungsschichten. "Der Grundgedanke der Protestaktion ist die Chancengleichheit, denn Bildung ist ein Menschenrecht und muss unabhängig von sozialer Herkunft zugänglich sein", so die Besetzer der Uni Augsburg.
Die genauen Forderungen werden derzeit in verschiedenen Arbeitsgruppen erarbeitet. Diskutiert werden vor allem die Transparenz bei der Gebührenverteilung der Studiengebühren, der Bologna-Prozess (Umstellung der Studiengänge auf Bachelor und Master), die Qualität der Lehre, das Schulsystem, Diskriminierung (Migranten), Alternativen zum Gebührenmodell und der Leistungsdruck, unter dem viele Studenten leiden.
In den nächsten Tagen werden die Besetzer über ihre Forderungen diskutieren und diese an die Öffentlichkeit tragen. Die Studenten in der Fuggerstadt bereiten sich auf eine längere Besetzung vor. Unbestätigten Angaben zufolge toleriert die Unileitung eine Besetzung bis Freitag. Über 100 Studenten werden die Nacht mit Schlafsäcken in der Uni verbringen.
Sechs Delegierte der streikende Studierenden trafen sich noch am Abend im Rathaus mit hochrangigen Politikern (u.a. OB Kurt Gribl) und Vertretern der Uni. Der Präsident der Universität Augsburg, Professor Dr. Wilfried Bottke, unterstützte die Forderungen der Studenten. Anwesende Professoren waren verwundert und begeistert, äußerten Unterstützung für die Studierenden.
Unter lautem Applaus aller Gäste verließen die Studenten das Rathaus mit dem Abkommen, in den nächsten Tagen zu Gesprächen mit den Politikern zusammen zu treffen.
Eifrig werden Plakate gemalt: „Bildung krepiert, weil Dummheit regiert“ ist das Motto, genauso wie „Lernfabriken abschalten“, „Studiengebühren: Neues Selektionsverfahren des 21. Jahrhunderts“ und „Master of Desaster“.
Zuvor fand am Dienstag eine vierstündige Demonstration mit über 1000 Teilnehmern in der Augsburger City statt, der sich auch Lehrer und Schüler anschlossen. Die meisten Schulen waren von innen versperrt worden, um Schüler an der Teilnahme zu hindern. Einige konnten sich dem Demonstrationszug jedoch anschließen. Sie kletterten aus den Fenstern im Erdgeschoss.
Morgen sollen auch Schüler in die Gespräche miteinbezogen werden: Neben den Studiengebühren soll es nämlich auch Diskussionen über das achtjährige Gymnasium geben. „Schüler, Lehrer und Eltern sind herzlich eingeladen, gerade am schulfreien Tag morgen, in die Uni zu kommen“, so die Besetzer.
Weitere Informationen werden in regelmäßigen Zeitabständen folgen. Am Mittwoch um 8 Uhr werden die Gespräche in einem Plenum fortgesetzt.

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